Was ist Musiktherapie?
- Musiktherapie ist eine spezielle Form der Psychotherapie unter gezielter Anwendung des künstlerisch-kreativen Mediums Musik.
- Musiktherapie kann zur schöpferischen Kraftquelle werden und aus der Stille und inneren Ruhe heraus nächste Schritte aufzeigen.
- In der Musiktherapie wird experimentiert und improvisiert. Sie kann aktiv oder passiv sein.
- Musiktherapie erhöht oder stellt die Lebensqualität wieder her; gibt dem Ausdruck von Gefühlen Raum; begleitet in problematischen Lebensphasen; lässt uns stimmig mit uns selbst werden.
- In der Musiktherapie wird das Unsagbare durch Klang, Rhythmus und Geräusche ausdrückbar.
- Musiktherapie macht neugierig. Leicht zu spielende Instrumente machen Spass entdeckt zu werden – auch ohne musikalische Kenntnisse.
Entwurf einer Definition von Musiktherapie
Geschichte der Musiktherapie
Die Anfänge der Musiktherapie, wie wir sie heute verstehen, liegen in der ersten Hälfte des 20. Jhd. Zu Beginn des 20.Jhd. beschränkte sich der therapeutische Einsatz von Musik noch überwiegend auf psychische Erkrankungen (vgl. Müller-Busch, 1997, 28). Zeitgleich entwickelte sich unter dem Einfluss des Positivismus eine naturwissenschaftliche Medizin und Psychologie, die strenge empirische Prüfungsverfahren als Maßstab für ihre Forschung ansetzte. In diesem Rahmen versuchte sie, die mögliche Heilkraft der Musik über messbare vegetative Reaktionen zu erklären (vgl. Nöcker-Ribaupierre, 1998, 32). Die durchgeführten physiologischen Untersuchungen brachten Erkenntnisse über die Auswirkungen von ergotroper (stimulierender) bzw. trophotroper (beruhigender) Musik. Es wurde nachgewiesen, dass bestimmte Eigenschaften eines Musikstückes wie Dynamik, Rhythmik und Harmoniefolgen zu Veränderungen in biologischen, chemischen und physiologischen Prozessen führten, so z.B. bei Blutdruck, Atem- und Pulsfrequenz, Muskeltonus und Hautwiderstand (vgl. Decker-Voigt, 1991, 74f). Die Erkenntnisse aus diesen Experimenten kamen in vielen Ländern doch vor allem in den USA bei der medizinischen Behandlung zum Einsatz. Musiktherapie wurde als Musik Medizin verstanden, die einzig auf den funktionalen Wirkungen von Musik basiert. Auf eine psychotherapeutische Begleitung wurde verzichtet (vgl. Nöcker-Ribaupierre, 1998, 32).
Nach dem 2. Weltkrieg nahm auch in Europa das Interesse an der Musiktherapie schlagartig zu. MÜLLER-BUSCH sieht die Ursachen hierfür allerdings:
„…weniger in den praktischen Erfolgen einer „Musik als Medizin“ als in der theoretischen Vorstellung über ihre Möglichkeiten im Rahmen einer zunehmend ihre Grenzen erfahrenden, naturwissenschaftlich orientierten und technologisch bestimmten Medizin.“ (Müller-Busch, 1997, 29)
1959 wurde an der Musikhochschule in Wien das Fach Musikheilkunde eingerichtet. Hierbei darf nicht übersehen werden, dass dies zu einem Zeitpunkt geschah, als die theoretische Grundlage für eine Verbindung von Musik und Therapie gerade erst langsam im Entstehen war (vgl. ebd., 30).
Der therapeutische Einsatz von Musik in der Medizin stieß schließlich an seine Grenzen: es fiel auf, dass verschiedene Patienten trotz übereinstimmender Indikation beim Hören des selben Musikstückes unterschiedliche Reaktionen zeigten. Erst jetzt wurde das psychisch-emotionale Erleben des Patienten miteinbezogen. Hieraus entwickelte sich die sog. Musik-Rezeptionsforschung, die psychotherapeutisches Vorgehen mit den Ergebnissen der funktionalen Wirkung von Musik verband. Hinzu kamen Impulse aus der Sonderpädagogik bzw. der anthroposophischen Heilpädagogik. So entstand in den 70-er Jahren eine erweiterte Sichtweise der Musiktherapie, der ein ganzheitliches Menschenbild zugrunde lag. Die Psychotherapie ausgehend von S. Freud und C.G. Jung wurde von vielen Musiktherapeuten in ihr Behandlungskonzept integriert. Der Mensch wurde nun als Ganzes, als psychosomatische Einheit unter Berücksichtigung seiner persönlichen Lebensgeschichte betrachtet (vgl. Nöcker-Ribaupierre, 1998, 33).
NÖCKER-RIBAUPIERRE weist darauf hin, das ihres Erachtens die moderne psychotherapeutische Musiktherapie die Musik zugunsten der Beziehung zwischen Patient und Therapeut anfänglich vernachlässigte. In den neunziger Jahren sei dann aber eine Position eingenommen worden „zwischen der Qualität der Beziehung von Patient und Therapeut einerseits und der Besonderheit und Kraft des Mediums Musik andererseits“ (ebd., 34).