Sterbebegleitung
MUSIK VERBINDET
Ein besonders erleichterndes und sehr individuelles Angebot für Frauen und Männer in der letzten Zeit ihres Lebens. Sehr tröstend bei der Bewältigung der Trauer, helfend und unterstützend beim Abschied von Angehörigen und Hinterbliebenen.
Stufen
Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe.
Blüht jede Weisheit auch und
jede Tugend zu ihrer Zeit
und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andere, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden.
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Herrrmann Hesse 4.Mai 1941
Sterben
In den meisten Fällen eines natürlichen Todes geht diesem eine Zeit andauernden Rückzuges voraus. Die zum Tode führende Krankheit bzw. Altersschwäche gewinnt in dieser Zeit immer mehr Einfluss auf den Organismus, welcher sich durch psychische Adaptionsvorgänge auf den bevorstehenden Tod vorbereitet.
Diese Situation ist mit vielen Ängsten und Unsicherheiten verbunden, wie etwa die Befürchtung, Leid in mehrerlei Hinsicht zu erfahren, von medizinischen Apparaten abhängig zu sein, Angst, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren, sich von Liebgewonnenem trennen zu müssen und die Angst vor dem Tod an sich.
Der Abschied von geliebten Personen, Dingen und Fähigkeiten ruft große Trauer, sogar Depressionen, Aggressionen hervor.
Die Umgebung, vor allem die Nächsten des Sterbenden, sind ebenfalls in den Prozess des sozialen Sterbens eingebunden; sie müssen ihren Angehörigen gehen lassen.
Gern stehen Ihnen zur Beratung, Unterstützung und individuellen Bestattungsvorsorge
meine langjährigen Kooperationspartnerinnen Frau Jost und Frau Fischer von Fischer & Jost Bestattungen GbR zur Verfügung.
Sterbebegleitung
Am Ende des Lebens können unerledigte Konflikte den Prozess des Loslassens stören oder aufhalten. Das Einfühlungsvermögen der BegleiterIn vermag diese offenen Gestalten aufzuspüren. Die BegleiterIn könnte durch Deutungen versuchen, eine gewisse Gestaltschließung anzubieten, die einem Schluss auf der realen Ebene, der nicht stattfinden kann, die Dringlichkeit nimmt.
Es kann aber auch sein, dass Unerledigtes schmerzt, ohne dass eine Behandlung dessen gewünscht ist. Oder Konflikte können bearbeitet werden, aber das Leiden bleibt. Die SterbebegleiterIn muss in jedem Falle die Haltung des Sterbenden respektieren und darf nicht mit seinen eigenen Vorstellungen eines „guten Todes“ belästigen.
Behutsamkeit ist einer der wichtigsten Aspekte in der Begegnung mit Sterbenden. Zum einen deshalb, weil sich viele sterbende Menschen in einem Zustand extremer körperlicher Schwäche befinden, in dem schnell die Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind. Zum anderen kann nur in einer vorsichtigen, abwartenden Haltung wahrgenommen werden, was der andere in diesem Augenblick braucht und fühlt.
Die Qualität einer begleitenden Beziehung bewährt sich zuweilen in der Möglichkeit, gemeinsam schweigen zu können. Gerade im gemeinsamen Schweigen kann sich eine tiefe Verbundenheit ereignen.
Die Begleitung sterbender Menschen, so notwendig sie ist, hat ihre Grenzen. Es wird häufig beobachtet, dass Menschen ausgerechnet in dem Augenblick sterben, in dem ihre Angehörigen und Pflegenden den Raum verlassen.
Musik in der Sterbebegleitung
Musik – als eine andere Sprache – hilft, in Kontakt zu anderen Menschen und in Kontakt mit der eigenen Gefühlswelt und dem eigenen Körper zu treten. Musik vermag es, sich der eigenen Vergangenheit und der eigenen kulturellen Herkunft zu vergewissern und ein Gefühl der Verwurzelung und bleibenden Geborgenheit wachzurufen.
Musik dient der Abkapselung von der Umwelt (Funktion der Einhüllung). Ein Beispiel für diese Bedeutung von Musik sind die Lallmonologe des Säuglings, der sich –selbst einhüllend- in den Schlaf singt.
Musik dient der Verdopplung des eigenen Selbst (Funktion der Selbstverdopplung). Indem ich auf meinem Instrument spiele, verschaffe ich mir ein Gegenüber, werde zu zwei „Personen“, Körper-Ich und musikalischer Symbolausdruck.
Musik dient symbolischer Berührung mit den anderen Menschen (Kontaktfunktion). Im Singen oder Spielen eines Tons berühre ich einen anderen Menschen, sofern dieser anwesend ist. Auf symbolischer Ebene findet Berührung statt.
Musik dient der Auseinandersetzung mit der äußeren Natur (Funktion der Auseinandersetzung). Durch die Erforschung der äußeren Natur der Gegenstände erfahren Menschen ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen.
Leidende Menschen befinden sich in einer Verengung ihres Lebens. Musik kann forttragen. Hilfreich ist es, der Sehnsucht nach Erlösung aus dem Leiden Ausdruck und Gelegenheit zu verschaffen. Das kann durch aktives Musizieren oder durch Identifikation und Aufgehen in vorgespielter Musik sein.
Nicht alle Menschen leiden am Sterben.
Es ist hilfreich, das Leichte und Tänzerische des Weges zu sehen.
Alle Menschen sterben.
Es ist hilfreich, die menschliche Verbundenheit in diesem Punkte zu erkennen.
Trost hilft, auch wenn er nicht hinreichend ist.
Es ist hilfreich tröstend zu sein, der andere kehrt nie an den Ausgangspunkt zurück.
Auch unsichere Begleitung ist erlaubt.
Hilfreich ist Solidarität
Loslassen wird durch die Gewissheit erleichtert, aufgefangen zu werden.
Es ist hilfreich, der Hoffnung darauf Raum zu geben. Dadurch ereignet sich der Halt bereits im Hier und Jetzt.
Weil Musik berührt, bewegt, bewirkt und verwandelt,
ist es hilfreich, die richtige zu finden.
Musiktherapie mit sterbenden Menschen
Musiktherapie hat sich als ein wichtiger Bestandteil der psychosozialen Hilfe entwickelt. Die Musiktherapie ist eine spezielle Form der Psychotherapie unter gezielter Anwendung des künstlerisch-kreativen Mediums Musik.
Die Musiktherapie ist die Therapie vor oder nach derZeit des Sprechen – könnens. Das bedeutet: Sie kann Themen belichten, die vor der Zeit des Spracherwerbs prägend gewesen sind (vorgeburtlich bis zum zweiten Lebensjahr) und sie kann in der Phase des Übergangs vom Leben zum Tot – der oft von Sprachlosigkeit begleitet ist – Erleichterung und Gelassenheit ermöglichen. Das Unsagbare wird dann durch Klang, Rhythmus und Geräusche ausdrückbar.
Musiktherapie ist Begleitung,
sie führt an den Ort des Leides zurück,
an Gefühle heran und gibt Raum, in dem Betroffene erfahren können,
was immer gerade „ist“.
Gefühle (=gefüllte) Gegenwart!
Die Therapeutin ist da und übermittelt,
was sie selbst an Urvertrauen spürt.
An ihrem Vertrauen wird konkret,
dass es dieses Letzte
auf das der Mensch zählen kann
tatsächlich gibt.
Und doch darf auch sie begrenzter, ringender Mensch bleiben.
Heilen kann kein Mensch,
sondern nur etwas, was tiefer greift als alles Leid.
Etwas, das in jener Tiefe trägt, die schon vor der Traumatisierung da war.
Therapie wird zum Ort der Neubegegnung,
doch wichtigstes Gegenüber,
dem in tiefen Erfahrungen neu begegnet wird und
an dem sich Urangst relativieren kann, ist das Ganze.
So müssen Psychotherapien
gerade in der Begleitung von früh-geprägten Menschen
für religiöse Tiefen offen sein.
Monika Renz /Musiktherapeutin
Der sterbende Mensch verlangt unsere Aufmerksamkeit. Mit Behutsamkeit, mit der Musik, dem Sprechen und dem Schweigen und nicht zuletzt mit der menschlichen Hingabe können wir dem sterbenden Menschen ein Angebot machen. Aus Respekt vor dem individuellen Leben und Leiden, das sich erfahrbar macht und nach dessen Ausdruck wir vorsichtig forschen, müssen wir in all unserem Tun zunächst behutsam vorgehen.
Die körperliche Schwäche, der Schmerz, die Angst vor Verlusten, die Einsamkeit und die Trauer des Sterbenden machen ihn besonders verletzlich. Was zu tun ist, also der musiktherapeutische Behandlungsauftrag, entwickelt sich aus der Begegnung, aus Reaktionen, Fragen und Antworten. Die Musik vermag in besonderer Weise in ihrem Spektrum an Leisem, Wenigem, den Pausen, dem Anklopfen und dem Klanglichen immer wieder neue Anfänge in der Begegnung zu gestalten.
Wie es bei einem musikalischen Zusammenspiel die Aufgabe des Begleiters ist, mit ganzem Ohr den Bewegungen des anderen zu folgen und im eigenen Spiel darauf zu reagieren, so muss sich die Begleitung Sterbender flexibel auf wechselnde Stimmungslagen, die Haltung zum Sterben genau in diesem Moment und den körperlichen Zustand einstellen. Die musikalische Ausrüstung in Form von Improvisation mit Stimme und Instrumenten, mit Liedern, größeren Werken und dem Gebrauch der Medien bietet eine Fülle an Material, aus welcher die Musiktherapeutin schöpfen kann.
An den Reaktionen des Sterbenden, manchmal nur schwach und allein körpersprachlich wahrzunehmen, erkennen wir, ob wir den passenden Zugang und eine hilfreiche Methode in unserem gemeinsamen Dialog gefunden haben. Durch die Musik können viele Facetten eines Sterbeprozesses ausgedrückt und symbolisiert werden und manchmal nur ein eiziges wichtiges Gefühl.
Loslassen geschieht auch vorher, gewinnt aber mit dem Nahen des Lebensendes an Raum und Bedeutung. Das Bild einer Wanderung im Nebel mit mal größerem, mal kleinerem Abstand hilft, die therapeutische Beziehung in ihrer Bewegung zwischen Nähe und Distanz einzufangen. Diese Beziehung ist für den therapeutischen Fortgang von elementarer Bedeutung. Wo die „Chemie nicht stimmt“ ist Entwicklung erschwert oder sogar unmöglich.
In der Bezeihung zwischen Sterbendem und Musiktherapeutin geht es darum, bis ganz zuletzt zu begleiten und das Loslassen zu bejahen.